Fünf-Jahres-Wertung: Die größten Steuerberatungshäuser auf der Erfolgsschiene

Den größten Steuerberatungshäusern hierzulande geht es sehr gut. So sind die 10 umsatzstärksten Praxen in den vergangenen 5 Jahren um durchschnittlich 36,5 Prozent gewachsen. Allerdings sind die Unterschiede im Detail dann doch beträchtlich.

 

Mit Abstand das größte Wachstum zwischen den Jahren 2015 und 2019 verbuchte die Steuerberatungsgesellschaft WTS. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 war 72 Prozent höher als noch 2015. Grund: Das Beratungshaus ist kontinuierlich mit Quereinsteigern gewachsen, zudem beschert das Geschäftsmodell des so genannten Business Partnering WTS stetige Einnahmen. Hier agiert WTS quasi als komplett oder teilweise ausgelagerte Steuerabteilung großer Unternehmen und börsennotierter Dax-Konzerne. Für diese ist sie vor allem in der laufenden steuerlichen Beratung tätig und nimmt so unter anderem das Deklarationsgeschäft der Unternehmen in die Hand.

Fest im Sattel sitzt WTS etwa bei Siemens, E.on oder MAN. Dass sie vor gut zwei Jahren zudem den Zuschlag für das Allianz-Mandat bekommen und so rund die Hälfte der Steuerabteilung des Versicherungskonzerns bei sich eingegliedert hat, hat nochmals unterstrichen, wie stabil und wohl auch zukunftsträchtig dieses Geschäftsmodell ist.

 

14.08.2022

Umsatzzuwächse im Fünf-Jahres-Vergleich 2020

https://www.juve-plus.de/market-intelligence/nachricht-umsatz-steuern-2020

*Berichtswechsel ab 2018: Geschäftsjahr vom 30.06. auf 30.09. umgestellt

 

Nach WTS rangiert die steuerzentrierte Großkanzlei Flick Gocke Schaumburg mit einem Wachstum von über 62 Prozent auf Platz 2 in der 5-Jahres-Wertung – und das mit einem ganz anderen Ansatz als WTS. Flick Gocke pflegt zwar ebenfalls gute Kontakte zu den Steuerchefs der wichtigsten und größten Konzerne hierzulande. Doch steht sie im Markt vor allem für das wesentlich margenträchtigere – aber volatilere – High-End-Geschäft und berät Unternehmen vom großen Mittelständler bis zum börsennotierten Konzern bei komplexen Umstrukturierungen und steuerlichen Spezialfragen. Zudem hat die Kanzlei ihre Partnerriege in den vergangenen Jahren stark verbreitert, was ebenfalls dazu geführt hat, dass das Geschäft stark wächst.

Auch sehr erfolgreich im 5-Jahres-Vergleich ist BDO. Die traditionsreiche Gesellschaft kommt auf knapp 47 Prozent Zuwachs. Obwohl bei BDO – wie bei den Big Four der Prüfungsanteil – noch recht hoch ist, entwickelt sich das Steuergeschäft deutlich dynamischer als bei diesen.

Dementsprechend bildet das Schlusslicht in puncto 5-Jahres-Vergleich auch ein Big-Four-Haus, nämlich PwC. Unter den zehn umsatzstärksten Steuerpraxen Deutschlands hat PwC zwischen 2015 und 2019 nur um 7,7 Prozent zugelegt. Dies reicht sicher nicht, um der mit Abstand größten Steuerberatungsgesellschaft Deutschlands, Ernst & Young, gefährlich zu werden. Denn sie hat mit über 30 Prozent Wachstum im selben Zeitraum den Abstand auf das Verfolgerfeld sogar kontinuierlich vergrößert. (Jörn Poppelbaum)