Personal: Rechtsabteilungen sehen unsichere Zeiten kommen

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Noch im Vorjahr wollten viele der von JUVE befragten Rechtsabteilungen weiter einstellen. Die Corona-Krise brachte diese Pläne durcheinander: Gestiegen ist zuletzt nur die Zahl der Umfrageteilnehmer, die unsicher sind, wie es personell weitergeht.

Aktuell rechnen 38 Prozent der Inhouse-Verantwortlichen laut JUVE-Umfrage damit, Berufsträger einzustellen, 21 Prozent wollen zusätzliche Fachkräfte rekrutieren. Eine knappe Mehrheit der Umfrageteilnehmer will allerdings auf weitere Neueinstellungen verzichten. Ein sehr ähnliches Bild ergab sich bereits im Vorjahr, doch inzwischen ist die Zahl derer gestiegen, die nicht wissen, wie es personell weitergeht: Jeweils rund 20 Prozent der Teilnehmer antworteten, sie seien „unsicher“.

Vergleich Personalpläne in Rechtsabteilungen 2017 bis 2021

Immerhin 8 Prozent der Inhouse-Verantwortlichen erklären ausdrücklich, dass die Corona-Krise ihre Personalpläne geändert habe. Dass Personal in Rechtsabteilungen inzwischen nicht mehr automatisch Juristen oder Paralegals bedeutet, ist auf dem Weg zur Mehrheitsmeinung: Inzwischen beschäftigen 48 Prozent der befragten Rechtsabteilungen auch nichtjuristische Experten.

Große Skepsis gegenüber Alternativen

Weniger aufgeschlossen als im Vorjahr sind die Teilnehmer der JUVE Inhouse-Umfrage für Alternativen zur Bestandsmannschaft. Nach wie vor würden im Verhältnis die meisten Inhouse-Verantwortlichen Secondees einsetzen, immerhin 29 Prozent tun dies bereits. Projektjuristen sind bei 21 Prozent der befragten Rechtsabteilungen im Einsatz.

Die Skepsis gegenüber vielen anderen Alternativen allerdings ist groß. Externe Dienstleister zur Rechnungskontrolle etwa kommen für glatte 40 Prozent der Inhouse-Verantwortlichen nicht in Frage, noch etwas mehr lehnen externe Projektmanager im Mandat ab. Auch Legal Procurement ist für die meisten weiterhin Inhouse-Sache. Insgesamt ist der Anteil der Umfrageteilnehmer, die offen für neue Personalmaßnahmen wären, gesunken. Lediglich für Standardaufgaben wären heute mehr Rechtsabteilungen als noch vor einem Jahr bereit, externe Dienstleister zu beauftragen.

Bereitschaft zu alternativen Personalmaßnahmen in Rechtsabteilungen

Diese Skepsis dürfte primär durch die Unsicherheit getrieben sein, welcher Einsatz überhaupt sinnvoll ist. Diejenigen Umfrageteilnehmer, die bereits mit Projektjuristen gearbeitet haben, kommen keineswegs durchgängig zu dem Ergebnis, sie hätten dadurch Geld gespart. Viele meinen sogar, die Zeitarbeiter hätten zusätzliche Kosten verursacht.

An der JUVE-Inhouse-Umfrage nahmen im Herbst 2020 insgesamt 256 Verantwortliche aus den Bereichen Recht und Compliance teil, der Großteil davon General Counsel oder ähnliche Leitungsfunktionen. Sie repräsentieren fast 2.200 Unternehmensjuristen in Deutschland und fast 3.000 Berufsträger im Ausland aus Unternehmen aller relevanten Branchen. (Astrid Jatzkowski, Norbert Parzinger)

Methodik